Erfahrungsbericht von Frau Marie Höreth

Erfahrungsbericht von Frau Marie Höreth

Der 1. Juni 2017, 3 Tage vor meinem 67sten Geburtstag, und der letzte Urlaubstag. Zum Abschluß am Nachmittag, bei strahlendem Sonnenschein, noch mal zum Waldschwimmbad. Nach einem Kaffee am Strandbistro traue ich mich ins Wasser, bei geschätzten kühlen 18 Grad Wassertemperatur. Ich muß zum Verständnis erklären, dass ich Asthmatikerin bin, meine Lunge auf starke körperliche Anstrengung und Kälte „unangenehm“ reagieren kann.

Mein Spray hatte ich in der Pension liegen gelassen, aber ein paar Meter schwimmen, naja, wird schon gehen. Langsam und behutsam meinen Körper an die Wassertemperatur gewöhnt, das seichte Wasser verlassen, einige Meter herausgeschwommen……. meine Lunge krampft, ich kann weder aus­ noch einatmen. Schaffe es glücklicherweise noch zurück ins flache Wasser, kann mich noch aus eigener Kraft zur Wiese retten. Eine Frau spricht mich an, kann noch mit letzten Atem erklären was geschehen ist, werde ohnmächtig. Das Weitere weiß ich dann nur noch aus Erzählungen: Die Frau reagierte wohl umgehend und rief per Handy den Rettungsdienst, die Kommunikation mit der Leitstelle wurde dann auch während der gesamten Zeit bis zum Eintreffen des Rettunswagens aufrecht gehalten.

Eine weitere Frau kam hinzu, eine Polzistin wie sich später herausstellte. (Die anwesenden Frauen waren zu einer MutterKind­Kur im Ort). Duch den zwischezeitlichen „Trubel“ wurde auch meine Freundin, die noch beim Kaffee saß, aufmerksam und eilte hinzu. Als Ärztin stellte sie schnell fest, dass ich inzwischen keinen Puls mehr hatte, mein Herz hatte zu schlagen aufgehört. Sie und die Polizistin wechselten sich dann mit der Herzdruckmassage ab. Meine Freundin meint, es waren wohl zwischen 5 und 10 Minuten, die eine Person körperlich wohl kaum geschafft hätte. Sie selbst hätte, nach ihren Worten, nach einiger Zeit kaum noch „einen Pfifferling“ auf mich gewettet. Glücklicherweise hatten sie dennoch nicht aufgegeben.

Und ich kam wieder zu Bewußtsein. Und kann ab hier wieder aus eigenem Erleben schildern:

Immer noch höre ich die verzweifelten Rufe meiner Freundin; „Marie, Marie!“ Und ich wunderte mich, weshalb sie so aufgeregt schreit. Bis mir langsam bewußt wurde, was geschehen war. Dann ging alles recht schnell, der Rettungswagen traf ein, die Notärztin, ich bekam Sauerstoff, wurde meiner Schmerzen des Brustkorbes bewußt, bekam auch sehr schnell Schmerzmittel, und ab ging es ins Krankenhaus. Angeschlossen an diverse Überwachungsgerätschaften, diverse Untersuchungen standen an, der Herzrhythmus wurde wieder eingestellt, ich war zurück im Leben. So wurde der Urlaub noch um 2 Tage verlängert, an meinem Geburtstag ging es dann zurück nach Hause, dort nochmals zu Untersuchungen in die Kardiologie, Langzeit EKG, Ultraschall, Herzkatheter.

Glücklicherweise, muß ich sagen, habe ich nur minimalen Schaden davongetragen, eine kleine Unbeweglichkeit des Herzmuskels im Bereich der Septumspitze. Hätten all die wundervollen Menschen nicht so beherzt und schnell gehandelt, wären nicht zufällig die „richtigen“ Menschen vor Ort gewesen, ich hätte es nicht überlebt, und falls doch, vielleicht dann mit viel größerem Schaden. Ich hatte unendliches Glück, eine ganze Armee von Schutzengeln, keine Gaffer, „nur“ diese großartigen, couragierte Menschen. Ich bin unendlich dankbar dafür. Mein Leben und mein Denken hat dieses Ereignis kolossal verändert. Ich nehme es nun nicht mehr, wie bisher, als selbstverständlich zu leben. Zu leben ist ein großartiges Geschenk.

Vielleicht weiß man dies erst, wenn man erlebt hat, wie leicht es beendet, „verspielt“ sein kann. Ich gehe nun behutsamer damit um, und möchte gerne etwas weitergeben, meine Erfahrung einbringen, vielleicht durch mein Handeln irgendwann irgendeinem anderen Menschen sein Leben bewahren helfen. Als erstes habe ich mich bereits zu einem ErsteHilfeKurs angemeldet. Rückblickend glaube ich, um ehrlich zu sein, ich hätte in dieser Situation selbst nicht gewußt, wie ich mich richtig verhalte.

Marie Höreth mit ihren Schutzengeln